Mühle und Kleinwasserkraftwerk in Šlovice


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GESCHICHTE DER MÜHLE UND DES KLEINWASSERKRAFTWERKES SEIT 1897

Im Jahre 1897 heiratete Václav Čech in die Mühle ein. Seither und bis heute blieb die Mühle, für die sich die Bezeichnung „Čechův mlýn“ (Čechs Mühle) eingebürgerte, Eigentum seiner Nachkommen. Das Bestreben, in den Mühlen Elektrizität zu produzieren, wurde in den Jahren 1900–1914 in den tschechischen Ländern mit dem Import preiswerten Mehls aus Kanada und Ungarn angeregt. Die Bedeutung von Wasserkraft wuchs infolge des Vorhandenseins geeigneter Wasserturbinen und des stetig steigenden Kohlepreises. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Václav Čech im Jahre 1911 mit dem Bau eines KWK begann.

Im Wasserbuch Nr. 2, das legale Dokumente, die für Gewässer und ihre Nutzung gelten, ist vom k.u.k. Statthalter für das Königreich Böhmen die Erlaubnis zum Austausch der Wasserräder durch eine Turbine nach dem Francis-System mit einer vertikalen Welle (obr. 5) beigefügt, die bei einem maximalen Wasserdurchfluss von 6 000 Liter Wasser pro Sekunde eine Leistung von 145 PS entwickeln soll. Der Bau der Turbine wurde nach genehmigten Plänen durchgeführt und bis Ende 1916 abgeschlossen. Im Folgejahr erhielt Václav Čech von gleicher Behörde die Erlaubnis zur Nutzung der Turbine. Zunächst hat die Turbine lediglich die Mühle in Šlovice mit anliegendem Gut versorgt. Der Überschuss an elektrischer Energie sollte dem landwirtschaftlichen und industriellen Bedarf dienen, eine Fischwehr musste zum Schutz von Fischen gebaut werden. In einem tief eingeschnittenen Tal des Flusses Berounka war die Mühle verkehrsmäßig nur mühsam erreichbar, und so wurde im Jahre 1919 die ursprüngliche Mahleinrichtung demontiert und zu einer anderen Mühle gebracht. Das Wasserwerk diente fortan nur zur Herstellung elektrischer Energie.

Beim Probelauf wurde vom neu gebauten KWK hergestellter Strom auch zur 4 km entfernten Mühle in Slabce geleitet, die Václav Čech für seinen ältesten Sohn gebaut hat. Die Stromleitung war jedoch mit annähernd 12 km länger, weil sie nicht gradlinig verlief. Die Bauern hatten nämlich den Strom gefürchtet und haben eine Leitung über ihre Felder nicht erlaubt. Am 6. Dezember 1920 hat das KWK von Šlovice aus als erstes im Bezirk Rakovník und als eines der ersten in der ganzen Tschechoslowakei begonnen, in das lokale Elektrizitätsnetz Wechselstrom einzuspeisen: Angeschlossen waren die Mühlen Slabce und Slapnice, der Steinbruch Bílý kámen, acht Dörfer und umliegende Wochenendhäuser. „Als in Slabce das erste Mal die Glühbirnen aufleuchteten, kamen Feuerwehren aus drei Dörfern zum "Feuer" löschen, so eine Lichtflut war das,“ wird im Archiv von Slabce geschrieben (27). Im Jahre 1928 wurde das Elektrizitätswerk an das gesamtstaatliche energetische Netz angeschlossen. Die ursprüngliche elektrische Leitung verlief oberirdisch (über Masten), gegenwärtig erfolgt sie unterirdisch mit einem Kabel. Analog müssen auch die Transformations-, Mess- und weiteren Einrichtungen zutreffenden Vorschriften und Normen entsprechen.

Das KWK wurde schrittweise erweitert. Eine zweite Francisturbine und ein einzylindriger Zweitakt-Dieselmotor der Marke Škoda aus dem Jahre 1927 (Abb. 6 und 7) steigerten seine Leistung. Die maximale Leistung der Turbine betrug 106 kW beim Durchfluss von 6 m3/s und einer Fallhöhe von 2,3 m. Der in Smíchov-Werk hergestellte Motor ist das einzige erhaltene Exemplar dieser Art, sein Schmiersystem hat Fa. Bosch hergestellt. Als Ersatzstromquelle bei Niedrigwasser hat der Motor einen Synchron-Generator von Siemens angetrieben, der derzeit ebenfalls eines der letzten existierenden Exemplare seiner Art weltweit gilt (drei weitere werden in Museen in Deutschland ausgestellt). Der Generator machte einen Betrieb unabhängig vom öffentlichen elektrischen Netz möglich. An den Generatorenklemmen betrug die maximale Leistung der Turbine 85 kW. Beide technische Unikate, die neulich einer Generalüberholung unterzogen wurden, sind Bestandteile einer neu vorbereiteten Ausstellung im ehemaligen Mahlraum.

Dieselmotor Marke Škoda Abb. 6: Dieselmotor Marke Škoda
Herstellerschild
Abb. 7: Herstellerschild Synchron-Generator Marke Siemens
Abb. 8: Synchron-Generator Marke Siemens

Im Jahre 1930 hat von Václav Čech sein jüngster Sohn František, der im Jahre 1924 bei František Křižík die Höhere Schule für Elektrotechnik absolviert hat, das KWK übernommen. Im Jahre 1956 wurde das KWK verstaatlicht. Nach der Verstaatlichung ging das KWK in das Eigentum der Mittelböhmischen Elektrizitätswerke in Prag über. Im Jahre 1967 wurde das KWK still gelegt, die Anlagen hat der örtliche Nationalausschuss in Hřebečníky übernommen und ließ sie verkommen. Nach 1989 hat bei den Restitutionen ein Nachfolger des alten Müllergeschlechts, Dipl. Ing. Petr Čech, das KWK zurück gewonnen. Er beabsichtigte, die Familientradition fortzuführen und das ökologische Wasserkraftwerk zu erneuern, was ihm im Jahre 1992 gelang. Das KWK wurde zwar in Betrieb genommen, jedoch verursachte die Flut im August 2002 (Abb. 9, s. den Artikel Betrieb des Kleinwasserkraftwerkes) einen Schaden von mehreren Millionen Kronen. Wie durch ein Wunder blieb das Glashaus erhalten, das ebenfalls durch das KWK beheizt wird. Das Hochwasser hat die zur Erholung dienenden Wochenendhäuser weggefegt. Eine der beiden Turbinen musste ausrangiert und mit einer Kaplanturbine ersetzt werden, die andere Turbine wurde rekonstruiert, die Wehr, der Wassergraben und Teile des KWK wurden repariert. Seit 2005 ist das KWK wieder im Betrieb und es sichert nicht nur eine ökologische Produktion von Strom und damit ökonomischen Beitrag, sondern bereitet als lebendiges Werk und Vermächtnis von Vorfahren Freude. Die Anstrengungen von Petr Čech blieben nicht unbemerkt von der örtlichen Presse, z.B. hat die Redakteurin Jana Elznicová geschrieben (8): „Besuchen Sie Čechs Mühle und Sie werden stolz sein, ein Tscheche zu sein.“

Das KWK in Šlovice wurde zu einem echten Skanzen der Anfänge des „elektrischen Zeitalters“ im Tschechien. Am 3. November 2009 erklärte das Kultusministerium der Tschechischen Republik den gesamten Areal, mit der technologischen Einrichtung, zum Kulturdenkmal. Das Nationale Denkmalamt bzw. seine regionale Expertenabteilung für Mittelböhmen, gibt bei der Begründung seines aktualisierten Vorschlages zur Erklärung des Objektes zum Kulturdenkmal unter Anderem an: „Die Mühle mit dem Wasserkraftwerk stellt trotz einiger rückbaufähigen Veränderungen, die durch eine elementare Katastrophe verursacht wurden, weiterhin ein einmaliges technisches und historisches Denkmal aus der Zeit der frühen Elektrifikation der tschechischen Landgebiete dar. Das Wohngebäude der Mühle, der jüngere Anbau des Mahlhauses und das Turbinen-Maschinenhaus stellen einen Gesamtnachweis der baulichen und technologischen Entwicklung einer Mühle in einem historischen Mühlengebiet. Das Kleinwasserkraftwerk weist einen erhaltenen technologischen Fluss der Produktion von elektrischer Energie einschließlich der authentischen und einmaligen technologischen Einrichtung nach.“


Dieser Artikel wurde gedruckt von der Internetseite der Mühle und des Kleinwasserkraftwerkes in Šlovice:
http://www.elektroskanzen-slovice.cz. Text © David Kozler, 2008–2010, Übersetzung © Dr.-Ing. Jan Mainzer, 2010