Mühle und Kleinwasserkraftwerk in Šlovice


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BETRIEB DES KLEINWASSERKRAFTWERKES

Derzeit ist das Laufrad (Abb. 10) einer ausrangierten Francisturbine einschließlich zwei Leitschaufeln an der Brücke ausgestellt. Im Normalbetrieb ist das Laufrad nicht zu sehen, weil es unter dem Boden des Maschinenhauses arbeitet, im sogenannten Kastell. Dorthin fließt das Wasser nach Öffnung des Absperrschiebers, zu dem das Wasser von der weiter flussaufwärts aufgebauten festen Wehr (Abb. 11) geleitet wird. Das Wasser fließt durch die Rechenanlage (Abb. 12), wo grobe Verunreinigungen entfernt werden, danach wird es als Oberwasser durch die Leitschaufeln auf die Laufradschaufeln des Turbinenrotors geleitet. Durch eine runde Öffnung im Rotor hindurch fließt das Wasser in den sogenannten Diffusor bzw. Saugrohr, aus dem es in den Abwasserkanal als Unterwasser abfließt. Der Rotor ist über eine Welle mit dem Kammrad verbunden. Das untere Lager der Welle wird mit dem Wasser geschmiert, das obere mit Öl aus einer Schmiervorrichtung. Im Kammrad (Abb. 14) befinden sich Öffnungen für die Kämme (Abb. 13). Interessant ist, dass diese Kämme ausschließlich aus Weißbuchenholz hergestellt werden (ein anderer Werkstoff hat sich nicht bewährt) und sie werden mit einer Mischung aus zerlassenem Talg, Flockengraphit, Kernseife, Bienenwachs und Rapsöl, so wie in alten Zeiten, geschmiert. Die Raddrehung wird übertragen über ein Ritzel, eine Welle, ein Schwungrad und einen Transmissionsriemen auf den Generator. Die Leistung des Generators entspricht derjenigen der Turbine.

Überschwemmungen im August 2002 Abb. 9: Überschwemmungen im August 2002 Feste Wehr quer über den Berounka Fluss Abb. 11: Feste Wehr quer über den Berounka Fluss
Neben dem Laufrad der ausrangierten Francisturbine der derzeitige Inhaber des KWK,  Ing. Petr Čech Abb. 10: Neben dem Laufrad der ausrangierten Francisturbine der derzeitige Inhaber des KWK, Ing. Petr Čech Rechenanlage Abb. 12: Rechenanlage

Das Klappern der Maschinen im Kraftwerk versetzt uns um ein Jahrhundert zurück. Mit einem Blick in das Maschinenhaus (Abb. 14–16) stellen wir fest, dass zwei Aggregate funktionsfähig sind. Die ursprüngliche Francisturbine und die als Ersatz verwendete Kaplanturbine arbeiten hier mit asynchronen Generatoren. Diese Generatoren werden über das Stromnetz automatisch reguliert. Ihr Nachteil ist, dass sie notwendigerweise ununterbrochen unter Strom stehen müssen. Die Francisturbine war zur Zeit des Umbruchs vom 19. zum 20. Jahrhundert unter den Überdruck-Wasserturbinen am meisten verbreitet. Sie ist jedoch durch ihre niedrige spezifische Drehzahl gekennzeichnet. Im Jahre 1913 wird die Francisturbine durch die Erfindung der schnell laufenden Kaplanturbine mit einem System von einstellbaren Laufradschaufeln überholt, die eine Anpassung an schwankende Mengen des durchfließenden Wassers ermöglichen. So konnte die Wasserenergie bei größerem Durchfluss und niedriger Fallhöhe genutzt werden. Die Šlovicer Turbinen wurden von einer Firma hergestellt, die unter dem Namen Českomoravská Kolben Daněk (ČKD) berühmt wurde.

Die derzeitige Leistung des KWK beträgt 100–210 kW, je nach Wasserdurchfluss. Der elektrische Strom wird an die Zentrale des lokalen Verteilungssystems geliefert, die zur Abnahme aufgrund eines Gesetzes zu nachhaltigen Energiequellen verpflichtet ist. Dieser ökologisch hergestellte Strom deckt über das Verteilungsnetz auch die Bedürfnisse des Objektes ab und er kommt auch bei der Herstellung von Biopräparaten zum Einsatz, die im Geschoß des ehemaligen Mahlhauses erfolgt. Es handelt sich dabei um eine weitere ökologische Aktivität in der Mühle. Der sogenannte intelligente Pilz wird zur Heilung von Menschen und Lebewesen, zum Schutz von Pflanzen und für die Sanierung von feuchten Gebäuden genutzt. Seine Wirkungen können mit Penizillin verglichen werden, das ebenfalls ein Pilz ist und durch seine Wirkung krankheiterregende Bakterien vernichtet.

Das KWK schont die Umwelt und mit seinem wirtschaftlichen und gleichzeitig ökologischen Betrieb sichert es die für die Erhaltung des Fischbestandes und anderer Lebewesen unter der Wehr wie auch im Kanal hinter dem KWK erforderliche Wassermenge. Über Jahrhunderte hinweg lebt man hier im Einklang mit der Natur. Es bleibt hinzuzufügen, dass von Zeit zu Zeit Pläne für den Bau einer großen Pumpspeicher-Talsperre bei Křivoklát auftauchen. In diesem Falle würde die Mühle mit dem KWK tief unter dem Wasserspiegel des künstlichen Sees enden und die Geschichte dieses einmaligen technischen Denkmals wäre für immer beendet.

Kämme aus Weißbuchenholz Abb. 13: Kämme aus Weißbuchenholz Schwungrad mit Riemenantrieb Abb. 15: Schwungrad mit Riemenantrieb
Übersetzungsrad mit Holzkämmen Abb. 14: Übersetzungsrad mit Holzkämmen Blick ins Maschinenhaus Abb. 16: Blick ins Maschinenhaus

Dieser Artikel wurde gedruckt von der Internetseite der Mühle und des Kleinwasserkraftwerkes in Šlovice:
http://www.elektroskanzen-slovice.cz. Text © David Kozler, 2008–2010, Übersetzung © Dr.-Ing. Jan Mainzer, 2010